Baron-Empain-Palast: Kairos Hinduistisches Wahrzeichen in Heliopolis
Die Geschichte des Palastes
Manche Gebäude erzählen ihre Geschichte, schon bevor man die Schwelle übertritt, und der Baron-Empain-Palast gehört dazu. Mit geschwungenen Türmen, aus Stein gemeißelten Gottheiten und sich windenden Schlangen erhebt er sich aus dem Sand von Heliopolis, als wäre er direkt aus Angkor Wat mitten nach Kairo versetzt worden.
Der Palast war die Vision von Édouard Empain, dem belgischen Industriellen, der Heliopolis Anfang des 20. Jahrhunderts als Ägyptens ersten geplanten Vorort gründete. Da er sich ein Haus wünschte, wie das Land es noch nie gesehen hatte, beauftragte er 1907 den französischen Architekten Alexandre Marcel, frisch bekannt für den gefeierten kambodschanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung von 1900, mit dem Entwurf einer Residenz, die seine neue Stadt der Welt ankündigen sollte. Der Bau dauerte vier Jahre, und 1911 stand der Palast fertig an der Al-Orouba-Street, jener Straße, die Reisende bis heute vom Kairoer Flughafen in die Stadt führt.
Ein Tempel in der Wüste
Jede Fläche erzählt etwas. Elefanten bewachen den Eingang, Schlangen winden sich um die Balkone, tanzende Gottheiten schmücken die Fassade, eine Verschmelzung indischer und kambodschanischer Tempelkunst mit europäischen Barockakzenten, wie man sie sonst nirgendwo im Land findet.
Marcel errichtete den Hauptbau auf einem Sockel, der ursprünglich so konstruiert war, dass er sich mit der Sonne drehen sollte, ein für seine Zeit äußerst seltenes technisches Detail. Eine Wendeltreppe durchzieht den zentralen Turm und verbindet jedes Stockwerk bis hinunter zum Keller, während das Erdgeschoss einst einen großen Empfangssaal, ein Esszimmer und ein Billardzimmer beherbergte, ein klares Zeichen dafür, wie der Baron tatsächlich in seinem Tempel lebte.
Die Spuklegende
Jahrzehntelang stand der Palast leer, und seine Silhouette vor dem Nachthimmel brachte ihm den Ruf ein, einer der am meisten heimgesuchten Orte Kairos zu sein. Die Legende wurzelt in echter Tragödie: Die Frau des Barons, Helena, soll auf genau jener Treppe zu Tode gestürzt sein, die die Stockwerke des Palastes verband, und seine Tochter starb kurz darauf innerhalb der Palastmauern. Seither reichen geflüsterte Geschichten über geisterhafte Gestalten und seltsame Lichter von Generation zu Generation weiter.
Restaurierung und Besuch heute
Nach Jahren sorgfältiger Restaurierung unter Leitung des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer öffnete der Palast wieder für Besucher, seine Kuppeln erstrahlen erneut, die Gärten sind wieder zum Leben erwacht, und Gäste können durch dieselben Säle schreiten, in denen der Baron einst Kairos Elite empfing. Er empfängt Besucher heute täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr. Ein typischer Rundgang durch Stockwerke und Gärten dauert etwa ein bis zwei Stunden.