Baalbek und Anjar: Ratgeber zu den antiken Stätten des Libanon
Baalbek und Anjar im Überblick
Wählen Sie Baalbek, wenn Sie monumentale römische Architektur sehen möchten. Wählen Sie Anjar, wenn Sie sich für den seltenen, gut erhaltenen Grundriss einer frühislamischen Stadt interessieren. Beide Stätten liegen im Bekaa-Tal und wurden 1984 von der UNESCO aufgenommen. Baalbek liegt rund 85 Kilometer östlich von Beirut, Anjar etwa 60 Kilometer, nahe der syrischen Grenze. Zwischen beiden liegt etwa eine Autostunde, sie lassen sich also an einem langen Tag verbinden, wobei Baalbek den größeren Teil Ihrer Zeit verdient. Beide liegen außerdem in einer Region, für die Regierungen strengere Reisehinweise geben als für den übrigen Libanon; lesen Sie deshalb den letzten Abschnitt dieses Ratgebers, bevor Sie planen.
Baalbek: römische Tempel im kaiserlichen Maßstab
Baalbek war ein Heiligtum, lange bevor Rom kam. Die Römer, die den Ort Heliopolis nannten, machten daraus einen der größten Kultbezirke des Reiches. Über etwa zwei Jahrhunderte, beginnend im letzten Viertel des 1. Jahrhunderts v. Chr., errichteten sie die Tempel des Jupiter, des Bacchus und der Venus; zum UNESCO-Eintrag gehören außerdem der Merkurtempel und das Odeon. Der Jupitertempel war das Hauptheiligtum, berühmt für seine rund 20 Meter hohen Säulen und die riesigen Steinblöcke seiner Terrasse; heute stehen nur noch sechs Säulen aufrecht.
Der Bacchustempel ist am besten erhalten und bleibt den meisten Besuchern in Erinnerung. Er ist größer als der Parthenon in Athen, und sein monumentales Portal mit reichem Reliefschmuck ist selbst für römische Verhältnisse außergewöhnlich. Wer langsam geht, wird mit weiteren Details belohnt: dem runden Venustempel, den großen Höfen und den rosafarbenen Granitsäulen, die Trajans Baumeister aus Assuan in Ägypten herbeischaffen ließen. Ein Museum in den Tunneln unter dem Hof des Jupitertempels hilft bei der Einordnung. Rechnen Sie mit zwei bis drei Stunden und lassen Sie sich von einem Guide die gewaltigen Steinblöcke in den Fundamenten zeigen, die zu den größten gehören, die antike Baumeister je bewegt haben. Im nahen Steinbruch liegt noch immer dort, wo er herausgeschlagen wurde, ein riesiger Block, der als Stein der Schwangeren bekannt ist.
Anjar: eine omajjadische Stadt des 8. Jahrhunderts im Rastergrundriss
Anjar ist viel kleiner und ruhiger als Baalbek, aber ungewöhnlich. Die Stadt wurde im frühen 8. Jahrhundert von den omajjadischen Kalifen gegründet und schon wenige Jahrzehnte später aufgegeben, sodass vor allem ein vollständiger Stadtplan erhalten ist. Zwei von Säulen gesäumte Hauptstraßen kreuzen sich an einem zentralen Tetrapylon und teilen die ummauerte Stadt nach römischem Vorbild in vier Viertel. Die Umfassung misst etwa 310 mal 370 Meter, die Mauern sind rund 7 Meter hoch. Im Inneren gehen Sie an den Resten eines Palastes, einer Moschee, von Bädern, Läden und Wohnhäusern vorbei, und die UNESCO beschreibt die Stätte als seltenes, genau datierbares Beispiel omajjadischer Stadtplanung.
Für Anjar genügen ein bis anderthalb Stunden. Stehende Säulen, Bögen und Mauerabschnitte machen es leicht, sich die Straßen vorzustellen. Die moderne Stadt neben den Ruinen wurde im 20. Jahrhundert von armenischen Familien besiedelt, und ihre Restaurants eignen sich gut für eine Mittagspause.
Baalbek oder Anjar: Was passt besser?
Wenn Sie nur eine Stätte besuchen können, wählen Sie Baalbek: In Größe und Qualität der Skulpturen hat es im Libanon nicht seinesgleichen, während Anjar die weniger bekannte von beiden ist. Wählen Sie Anjar, wenn Sie sich mehr für die frühislamische Geschichte interessieren, einen kurzen, ruhigen Besuch bevorzugen oder wenig Zeit haben. Für Architektur und Fotografie ist Baalbek stärker; um zu verstehen, wie Städte im 8. Jahrhundert geplant wurden, ist Anjar aufschlussreicher. Familien mit älteren Kindern mögen oft die Dimensionen von Baalbek, während Anjar besser zu denen passt, die schnell müde werden. Zum Essen bieten die armenische Stadt Anjar und die Weingüter des Tals, etwa Château Ksara und Château Kefraya, eine angenehme Pause zwischen den beiden Stätten. Wer Ruhe sucht, kommt an beiden Orten früh am Morgen.
Anreise und beide Stätten an einem Tag verbinden
Anjar liegt etwa 60 Kilometer von Beirut entfernt, Baalbek etwa 85 Kilometer; die meisten Reisenden buchen daher eine geführte Bekaa-Tagestour oder einen Fahrer, statt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Eine häufige Reihenfolge: morgens von Beirut nach Anjar (rund anderthalb Stunden), Mittagessen in der armenischen Stadt oder auf einem Weingut, dann am Nachmittag weiter nach Baalbek, etwa eine Stunde entfernt. Die Rückfahrt nach Beirut dauert zwei bis zweieinhalb Stunden. Kontrollposten und Verkehr auf der Bergstraße über den Dahr el-Baidar können die Fahrt verlängern, planen Sie deshalb einen ganzen Tag ein und kommen Sie nicht zu spät in Baalbek an. Die besten Jahreszeiten sind Frühling und Herbst; im Winter ist das Tal kalt und der Boden in Anjar kann matschig sein, im Sommer wird es auf dem schattenarmen Gelände von Baalbek sehr heiß.
Vor der Reise: aktuelle Reisehinweise prüfen
Baalbek und Anjar liegen in einem Teil des Libanon, den viele Regierungen strenger einstufen als die Küste. Stand 19. Oktober 2026 rät Australien von Reisen in den Libanon insgesamt ab und warnt insbesondere vor Reisen in das Gouvernement Baalbek-Hermel und in den Teil des Gouvernements Bekaa östlich des Litani, wegen Kämpfen zwischen bewaffneten Gruppen und Luftangriffen. Die USA halten für das ganze Land die höchste Warnstufe 4 aufrecht, die bedeutet: nicht reisen. Lesen Sie vor jeder Buchung die aktuellen Hinweise Ihres Landes für genau diese Gebiete, etwa die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts, und prüfen Sie, ob Ihre Reiseversicherung sie abdeckt, denn viele Policen gelten nicht für Reisen entgegen der amtlichen Empfehlung. Bestätigen Sie Öffnungszeiten und Eintrittspreise beider Stätten kurz vor dem Besuch und informieren Sie sich über die Flugsituation nach Beirut. Dieser Artikel gibt den Informationsstand von Oktober 2026 wieder und beschreibt die Kulturstätten, er ersetzt keine amtlichen Hinweise.