Libanon in 5 Tagen: Reiseroute und Tipps für die erste Reise
Reichen 5 Tage für den Libanon?
Ja. Für eine erste Reise reichen fünf Tage, um Beirut und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Umgebung ohne Hektik zu sehen. Der Libanon ist etwa halb so groß wie Hessen, und jede Station dieser Route liegt rund eine Stunde von der Hauptstadt entfernt. Byblos erreichen Sie ohne Verkehr in etwa 45 Minuten Richtung Norden, die Jeita-Grotte ist noch näher. Sie können also jede Nacht im selben Hotel schlafen und Ihre Tage mit Besichtigungen verbringen statt mit Kofferpacken.
Ausgebremst werden Sie eher vom Verkehr als von den Entfernungen. Die Küstenautobahn zwischen Beirut und dem Norden ist oft verstopft, und eine Strecke, die auf der Karte kurz aussieht, kann deutlich länger dauern als gedacht. Planen Sie pro Tag eine Region ein und fahren Sie früh los.
Das ganze Land zu sehen, ist eine andere Sache. Haben Sie eine Woche Zeit, nutzen Sie die zusätzlichen Tage lieber, um Beirut in Ruhe zu erkunden oder länger in den Bergen zu bleiben, statt weitere Stationen einzubauen.
Unterkunft: Warum Beirut der ideale Standort ist
Übernachten Sie alle fünf Nächte in Beirut, am besten in Hamra oder Achrafieh. Jeder Tagesausflug dieser Route beginnt und endet in der Hauptstadt. Mit nur einem Hotel sparen Sie sich das Umpacken und haben abends die größte Auswahl an Restaurants. Der internationale Flughafen Beirut-Rafic Hariri liegt nur etwa 9 Kilometer vom Zentrum entfernt, was auch An- und Abreisetag erleichtert.
Hamra im Westen Beiruts ist für den ersten Besuch das praktischste Viertel. Es ist rund um die American University of Beirut gewachsen, und an der Hauptstraße reihen sich Cafés, Buchläden und Hotels der Mittelklasse. Von hier gehen Sie zu Fuß zur Corniche, der Uferpromenade der Stadt, und folgen ihr bis nach Raouche.
Achrafieh im Osten der Stadt ist ruhiger und stärker von Wohnhäusern geprägt, mit steilen Straßen, alten Häusern und dem Sursock-Museum. Außerdem liegt das Viertel etwas näher an der Autobahn Richtung Norden, was an den Tagen nach Jeita, Byblos und Batroun hilft.
Gemmayzeh und Mar Mikhael, direkt unterhalb von Achrafieh, gehören zu den lebhaftesten Ausgehvierteln der Stadt, mit vielen Bars und Restaurants. Beide wurden bei der Explosion im Hafen im August 2020 schwer beschädigt und sind inzwischen zum großen Teil wieder aufgebaut. Für den Abend sind sie ideal, wer aber einen leichten Schlaf hat, nimmt besser ein Zimmer ein paar Straßen weiter.
Wenn Sie lieber in einem kleineren Ort am Meer aufwachen, finden Sie in Byblos Boutiquehotels und Gästehäuser nahe dem alten Hafen. Der Nachteil sind jeweils etwa 45 Minuten Fahrt hin und zurück an den Tagen in Beirut. Das lohnt sich also nur, wenn Sie der Hauptstadt etwas weniger Zeit geben möchten.
Ein praktischer Hinweis gilt unabhängig davon, wo Sie buchen. Stromausfälle sind im Libanon noch immer häufig. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihr Hotel rund um die Uhr einen eigenen Generator betreibt.
Libanon-Rundreise in 5 Tagen: die Route im Überblick
Diese Libanon-Rundreise in 5 Tagen besteht aus zwei Tagen in Beirut und drei Tagesausflügen ab der Hauptstadt. Tag 1 führt durch das Zentrum von Beirut, über die Corniche bis nach Raouche: ein entspannter Start, der auch funktioniert, wenn Sie morgens landen. An Tag 2 bleiben Sie in der Stadt, mit dem Nationalmuseum Beirut, dem Sursock-Museum und einem Abend in Gemmayzeh oder Mar Mikhael.
An Tag 3 geht es nach Norden zur Jeita-Grotte, mit der Seilbahn von Jounieh hinauf zu Unserer Lieben Frau vom Libanon in Harissa und am Nachmittag nach Byblos. Tag 4 führt ins Landesinnere, in das Chouf-Gebirge, zum Beiteddine-Palast und in das historische Dorf Deir el Qamar. Tag 5 endet an der Küste in Batroun, ohne Verkehr rund eine Stunde nördlich von Beirut, und Sie sind trotzdem rechtzeitig für einen Abendflug zurück.
Die Reihenfolge ist nicht festgelegt. Wenn sich die Nachrichtenlage ändert oder das Wetter umschlägt, tauschen Sie die Ausflüge einfach und halten Sie sich einen Tag in Beirut als Puffer frei.
Tag 1: Zentrum von Beirut, Corniche und Taubenfelsen
Den ersten Tag verbringen Sie zu Fuß zwischen dem Zentrum von Beirut und dem Meer. Das ist ein unkomplizierter Einstieg in die Stadt, und Sie können ihn verkürzen, wenn Sie morgens landen.
Starten Sie am Märtyrerplatz, wo sich die blauen Kuppeln der Mohammad-Al-Amin-Moschee neben der maronitischen St.-Georgs-Kathedrale erheben, zwei der bekanntesten Gotteshäuser Beiruts, nur wenige Schritte voneinander entfernt. Ganz in der Nähe liegen am Hang unterhalb des Grand Serail die freigelegten Römischen Thermen. Sie geben einen Einblick in Berytus, die römische Stadt unter dem heutigen Zentrum. Der Nejmeh-Platz mit seinem Uhrturm ist nur einen kurzen Fußweg entfernt. Der Zugang ist allerdings manchmal gesperrt, weil dort das libanesische Parlament steht.
Gehen Sie anschließend hinunter zur Zaitunay Bay, dem Jachthafen am westlichen Rand des Zentrums, und folgen Sie der Corniche nach Westen. Auf dieser Uferpromenade geht Beirut spazieren, joggen, angeln und raucht Wasserpfeife, und nirgendwo in der Stadt lassen sich Menschen besser beobachten, ganz ohne Eintritt. In gemütlichem Tempo brauchen Sie etwa eine Stunde bis Raouche.
Versuchen Sie, vor Sonnenuntergang dort zu sein. Raouche ist bekannt für die Taubenfelsen (Pigeon Rocks), zwei Kalksteinfelsen, die knapp vor der Steilküste aus dem Meer ragen. Die Cafés an der Kante sind der klassische Ort, um bei einem Kaffee oder einem frühen Abendessen zuzusehen, wie das Licht hinter ihnen verschwindet. Danach bringt Sie ein kurzes Stück mit dem Taxi oder einer Fahrdienst-App zurück nach Hamra oder in einen anderen Teil des Zentrums.
Tag 2: Nationalmuseum Beirut, Sursock-Museum und Gemmayzeh
Tag 2 gehört vormittags der Geschichte und Kunst Beiruts und abends seinen lebendigsten Straßen. Seien Sie kurz nach Öffnung im Nationalmuseum Beirut, dem wichtigsten archäologischen Museum des Landes, dann sind die Säle noch ruhig.
Das Museum liegt an der früheren Grünen Linie, der Frontlinie, die die Stadt im Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 teilte. Die Mitarbeiter schützten die Sammlung damals, indem sie große Stücke in Beton einschlossen. Ein kurzer Film am Eingang zeigt, wie sie das geschafft haben, und die zehn Minuten lohnen sich. Achten Sie auf den Sarkophag von König Ahiram von Byblos, dessen Inschrift zu den ältesten bekannten Zeugnissen des phönizischen Alphabets zählt, und auf die bemalten Gräber aus römischer Zeit im Untergeschoss. Zwei Stunden reichen für einen entspannten Rundgang.
Fahren Sie danach mit dem Taxi das kurze Stück nach Achrafieh zum Sursock-Museum, einer Villa von 1912, in der heute moderne und zeitgenössische libanesische Kunst gezeigt wird. Die Hafenexplosion von 2020 hat das Haus schwer beschädigt, 2023 wurde es wiedereröffnet. Schon das Gebäude mit seiner weißen Fassade und den bunten Glasfenstern ist den Besuch wert.
Vom Museum aus gehen Sie über die St.-Nikolaus-Treppe hinunter nach Gemmayzeh, eine lange öffentliche Treppe zwischen alten Häusern. Die Rue Gouraud in Gemmayzeh und die Armenia Street im benachbarten Mar Mikhael sind voller Restaurants und Bars. In Beirut isst man spät zu Abend, Sie haben also vorher noch Zeit für einen Kaffee und einen gemütlichen Spaziergang.
Tag 3: Jeita-Grotte, Harissa und Byblos
Tag 3 ist der klassische Tagesausflug nördlich von Beirut. Brechen Sie früh zur Jeita-Grotte auf, einem Kalksteinhöhlensystem rund 20 Kilometer von der Stadt entfernt im Tal des Nahr al-Kalb. Die obere Galerie mit ihren riesigen Stalaktiten erkunden Sie zu Fuß, die untere Höhle per Boot auf einem unterirdischen Fluss. Fotografieren ist im Inneren nicht erlaubt, und im Winter kann die untere Höhle bei hohem Wasserstand geschlossen sein.
Von Jeita fahren Sie hinunter nach Jounieh und mit der Seilbahn hinauf nach Harissa, wo die weiße Statue Unserer Lieben Frau vom Libanon über die Bucht blickt. Die Fahrt dauert etwa zehn Minuten, und der eigentliche Grund dafür ist der Blick auf die Küste.
Den Nachmittag verbringen Sie in Byblos, einer UNESCO-Welterbestätte und einer der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Welt. Gehen Sie durch das Ausgrabungsgelände mit seiner Kreuzfahrerburg aus dem 12. Jahrhundert und danach durch den alten Souk. Zum Abschluss lohnt sich der kleine Hafen, wo die Restaurants zum Sonnenuntergang hin liegen.
Tag 4: Beiteddine-Palast und Deir el Qamar im Chouf
Tag 4 führt Sie rund eine Stunde südöstlich von Beirut ins Chouf-Gebirge, die ruhigere und grünere Seite des Libanon. Halten Sie zuerst in Deir el Qamar, einem Dorf aus Steinhäusern mit roten Ziegeldächern, das im 17. und 18. Jahrhundert Sitz der libanesischen Emire war.
Ein paar Minuten weiter oben liegt der Beiteddine-Palast, den Emir Bashir Shihab II. Anfang des 19. Jahrhunderts erbauen ließ. Für die Innenhöfe, die geschnitzten Holzdecken und die große Sammlung byzantinischer Mosaiken sollten Sie etwa zwei Stunden einplanen. Essen Sie in einem der Dörfer zu Mittag, bevor es zurückgeht. Wenn Sie gern wandern, liegt das Chouf-Zedernreservat, das größte Zedernschutzgebiet des Libanon, nah genug für einen kurzen Spaziergang als Alternative.
Tag 5: Batroun und die Nordküste
Ihr letzter Tag ist ein entspannter Tag an der Küste, etwa eine Stunde nördlich von Beirut. Batroun ist eine kleine Küstenstadt mit einem alten Souk, der Fischerkirche St. Stephan am Hafen und den Resten einer phönizischen Seemauer. Probieren Sie die frische Limonade, für die der Ort bekannt ist.
Im Sommer können Sie den Nachmittag in einem der Beachclubs der Umgebung verbringen. Wenn Sie abends fliegen, verlassen Sie Batroun am späten Nachmittag. Der Flughafen liegt auf der anderen Seite von Beirut, und auf der Küstenautobahn geht es oft nur langsam voran.
Baalbek, Tyros und Sidon: wann sie in Ihre Reise passen
Baalbek in der Bekaa-Ebene ist das römische Heliopolis und UNESCO-Welterbe. Der Bacchustempel gilt als einer der am besten erhaltenen römischen Tempel überhaupt, und vom Jupitertempel stehen noch sechs Säulen. Die Fahrt über die Berge dauert pro Strecke etwa zwei Stunden. Baalbek braucht also einen ganzen Tag, oft kombiniert mit den Ruinen der Umayyadenstadt Anjar oder einem Weingut im Tal.
Tyros und Sidon, zwei der großen phönizischen Hafenstädte, lassen sich an einem Tag an der Südküste verbinden. Sidon, etwa 45 Kilometer südlich von Beirut, hat eine Kreuzfahrer-Seeburg und einen alten Souk. Das weiter südlich gelegene Tyros, ebenfalls UNESCO-Welterbe, ist bekannt für sein römisches Hippodrom und die Säulenstraßen, die bis ans Meer führen.
Sobald es die Lage erlaubt, lassen sich auf einer siebentägigen Reise beide einbauen: ein Tag für Baalbek und einer für den Süden.
Praktische Tipps für Ihre erste Reise in den Libanon
Steht die Route, entscheiden ein paar praktische Details darüber, wie reibungslos Sie Ihre Libanon-Reise planen. Das sind die Fragen, die Erstbesucher am häufigsten stellen.
Visum und Einreise
Deutsche, Österreicher und Schweizer sowie Staatsangehörige der meisten EU-Länder erhalten bei der Ankunft am internationalen Flughafen Beirut-Rafic Hariri ein kostenloses Touristenvisum für einen Monat, das sich ohne zusätzliche Kosten auf bis zu drei Monate verlängern lässt. Haben Sie Ihr Rückflugticket und Ihre Hotelbuchung dabei, und achten Sie darauf, dass Ihr Reisepass noch mindestens sechs Monate gültig ist.
Geld: US-Dollar, libanesische Pfund und Karten
Seit der Finanzkrise von 2019 läuft im Libanon vieles in US-Dollar. Hotels, viele Restaurants und Fahrer nennen ihre Preise in Dollar, das Wechselgeld bekommen Sie oft in libanesischen Pfund. Nehmen Sie saubere, unbeschädigte Dollarscheine in kleinen Stückelungen mit und betrachten Sie Karten als Reserve: Hotels und gehobene Restaurants akzeptieren sie, fast überall sonst wird aber noch bar bezahlt.
Unterwegs: Privatfahrer, Fahrdienst-Apps und Taxis
Der Libanon hat kein Bahnnetz, und die öffentlichen Minibusse sind ohne Arabischkenntnisse schwer zu nutzen. In Beirut sind Fahrdienst-Apps wie Uber und Bolt die einfachste Lösung. Normale Taxis haben kein Taxameter, vereinbaren Sie den Preis also vor dem Einsteigen. Für die Tagesausflüge ist ein privater Fahrer am praktischsten: Mit einem Auto verbinden Sie Jeita, Harissa und Byblos an einem Tag, ganz ohne Umsteigen.
Beste Reisezeit für den Libanon
Die besten Monate sind April bis Juni und September bis Oktober, wenn es an der Küste warm ist und die Berge grün sind. Juli und August sind an der Küste heiß, schwül und voller, auch weil viele Libanesen aus dem Ausland zu Besuch kommen. Im Winter regnet es in Beirut, in den Bergen fällt Schnee, und die untere Höhle der Jeita-Grotte kann geschlossen sein.