Sultan-Hassan-Moschee, Kairo: Geschichte und Besucherguide
Was ist die Sultan-Hassan-Moschee?
Die Sultan-Hassan-Moschee ist ein Komplex aus dem 14. Jahrhundert, der Moschee, Madrasa und Mausoleum vereint und im islamischen Kairo liegt. Sie wurde zwischen 1356 und 1363 im Auftrag des mamlukischen Sultans an-Nasir Hasan erbaut und erstreckt sich über rund 8.000 Quadratmeter — damit zählt sie flächenmäßig zu den größten Moscheen der Welt. Anders als ein einfacher Gebetsraum beherbergte der Komplex ursprünglich vier Madrasas, jeweils eine für die vier sunnitischen Rechtsschulen — hanafitisch, malikitisch, schafiitisch und hanbalitisch —, dazu ein Krankenhaus und Unterkünfte für Studierende. Sie liegt am Salah-El-Din-Platz, gegenüber der Al-Rifa'i-Moschee und nur wenige Schritte von der Zitadelle von Kairo entfernt.
Geschichte: ein Sultan, der sein Werk nie vollendet sah
Sultan Hassan kam zweimal an die Macht, zum ersten Mal 1347 im Alter von nur 13 Jahren. Die Bauarbeiten begannen 1356, doch 1361 wurde er durch einen Aufstand rivalisierender mamlukischer Emire abgesetzt und kurz darauf getötet — seine Leiche wurde nie gefunden. Der Bau wurde unter seinen Nachfolgern fortgeführt und um 1363 unter der Aufsicht des Emirs Bashir al-Gamdar abgeschlossen. Das Mausoleum, das Hassan für sich selbst errichten ließ, bleibt bis heute leer — dort sind seine Söhne bestattet, nicht er selbst.
Mamlukische Architektur auf ihrem Höhepunkt: warum die "vierte Pyramide"?
Historiker und Reisende nennen das Bauwerk seit Jahrhunderten die "vierte Pyramide" Ägyptens — ein Vergleich, der sie neben die Pyramiden von Gizeh als Wahrzeichen ihrer Epoche stellt, diesmal des islamischen Ägypten. Der französische Orientalist Gaston Wiet zählte sie zu den gelungensten Werken arabischer Baukunst. Die Hauptfassade misst rund 150 Meter Länge und 38 Meter Höhe, mit einem zurückgesetzten Eingangsportal, das zu den größten der mamlukischen Architektur zählt; eines der Minarette erreicht etwa 84 Meter.
Im Inneren: Innenhof, Iwane und das leere Mausoleum
Der Zugang führt durch einen dunklen, ansteigenden Gang mit stalaktitenartigen Muqarnas-Verzierungen, bevor sich der marmorne Innenhof öffnet, in dem sich einst ein Brunnen für die rituelle Waschung befand. Die vier umliegenden Iwane dienten als Unterrichtsräume für jede Madrasa, mit Gewölben, die zu den beeindruckendsten vor der Neuzeit zählen. Hinter dem zur Mekka ausgerichteten Iwan liegt das Mausoleum, zugänglich über eine Bronzetür: Seine Kuppel, nach einem teilweisen Einsturz wiederaufgebaut, lässt das Morgenlicht auf eine Weise einfallen, die viele Besucher überrascht — vor allem, wenn sie erfahren, dass das Grab nicht den Sultan selbst birgt.
Sultan-Hassan-Moschee und Al-Rifa'i-Moschee: die Unterschiede
Die beiden Moscheen liegen sich auf demselben Platz gegenüber, ein Kombiticket deckt in der Regel beide Besuche ab. Al-Rifa'i, 1912 fertiggestellt, ist die jüngere: Sie wurde als königliches Mausoleum der Muhammad-Ali-Dynastie errichtet und beherbergt unter anderem die Gräber von König Fuad I. und König Faruq. Die Sultan-Hassan-Moschee bleibt das authentischste Beispiel mamlukischer Architektur des 14. Jahrhunderts — schlichter und als Lehrinstitution konzipiert, nicht als Mausoleum.
Praktische Hinweise für den Besuch
Die Moschee ist in der Regel täglich geöffnet, mit Öffnung gegen 9:00 Uhr und letztem Einlass am frühen Nachmittag, wobei Quellen leicht abweichende Zeiten nennen (vor Veröffentlichung zu prüfen). Der Eintritt wird meist als Kombiticket mit der Al-Rifa'i-Moschee verkauft; auch der genaue Preis muss noch bestätigt werden (zu prüfen). Es gilt eine bescheidene Kleiderordnung — Schultern und Knie bedeckt, Kopftuch für Frauen — und Schuhe werden vor dem Betreten der Gebetsbereiche ausgezogen. Nicht-muslimische Besucher sind außerhalb der Gebetszeiten in der Regel willkommen.