Wann lohnt sich Alexandria wirklich? Die beste Reisezeit, Monat für Monat durchgekaut
Jeder, den du fragst, gibt dir eine andere Antwort. Touroperator: Oktober bis April. Einheimischer: Juli und August. Rucksacktourist im Hostel: November, weil's dann am günstigsten ist. Alle haben recht — aber alle reden aneinander vorbei. Die echte Frage ist, was du in Alexandria eigentlich machen willst. Historic machen? Strand? Beides? Geld sparen? Die Antwort darauf ändert alles.
Hier die Jahreszeiten durchgekaut. Mit Zahlen, damit du selbst entscheiden kannst.
Frühling (März bis Mai): Der Kompromiss, der meistens funktioniert
Im März klettert das Thermometer auf 20–25°C am Tag. Nächte sind noch frisch — eine leichte Jacke ist keine schlechte Idee. Bis Mai schiebt sich das Thermometer Richtung 30°C. Die Luftfeuchtigkeit hat sich noch nicht aufgebaut, also fühlt sich die Wärme trocken und ganz erträglich an. Für jemanden, der zwischen den historischen Stätten herumspazieren will, ohne nach zwanzig Minuten zu verbrennen: genau richtig.
Das Meer im März? Kalt. 17–18°C, und da hilft auch kein Mut. Schwimmen macht erst im Mai richtig Sinn, wenn das Wasser auf 23–24°C ansteigt. Der April ist so eine Zwischenlösung: Die Luft ist warm genug für den Strand, aber das Mittelmeer hat noch nicht richtig mitgespielt.
Zu Ostern — westlich und koptisch, je nachdem, wann es fällt — wird es voller. Hotelpreise steigen leicht an, bleiben aber unter dem Sommer-Niveau. Ein Tagtrip aus Kairo? Im Frühling am angenehmsten zum Laufen.
Achtung, Sandstürme. Der sogenannte Khamsin kann im April und Mai durchziehen. Meistens ein bis zwei Tage lang, dann ist alles feinstaubbedeckt und Sightseeing draußen schlichtweg unangenehm. Schau dir den Wetterbericht an, bevor du feste Pläne machst. Den Frühlingsanblick von Alexandria durch eine orange Staubwand zu erleben, hat was — aber nur einmal.
Sommer (Juni bis August): Heiß, voll, und das Wasser ist traumhaft
Das hier ist die Sache, die dir kein Kairoer erzählen wird: Alexandria ist ihr Fluchtweg. Wenn die Hauptstadt auf 40°C klettert und das Niltal unbarmherzig ist, fahren die Alexandriner ans Meer. Die Meeresbrise hält die Temperaturen erträglich — tagsüber so um die 28–30°C. Klingt harmlos. Bis du die Luftfeuchtigkeit einrechnest: 70–80% den ganzen Sommer lang. 29°C bei 80% Luftfeuchtigkeit fühlen sich deutlich schwerer an als dieselbe Temperatur in trockener Luft. Ehrlich gesagt fühlt es sich an wie in einem schlecht belüfteten Fitnessstudio.
Aber das Meer. Von Juni bis August liegt das Mittelmeer bei 25–27°C. Da kannst du stundenlang im Wasser bleiben, ohne zu frieren. Wenn dein Trip um Badestände und Strand geht: Der Sommer liefert.
Der Haken sind die Leute. Ägyptischer Binnentourismus strömt an Wochenenden und Feiertagen nach Alexandria. Hotels an der Corniche und in Montaza füllen sich, Preise schießen hoch, und die beliebtesten Strände werden voll. An einem Wochentag im Juli geht's noch. Am Freitag oder an einem Feiertag am selben Ort fragst du dich, warum du das überhaupt machst.
Ramadan verschiebt sich jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorne, weil er dem Mondkalender folgt. Irgendwann fällt er in den Sommer, irgendwann nicht. Wenn Ramadan und Hitze zusammenfallen, verändert sich der Rhythmus des Tages: Viele Restaurants haben tagsüber geschlossen, aber abends explodiert die Stadt mit Straßenständen und einer Stimmung, die man einfach erleben muss. Fällt Ramadan in eine kühle Jahreszeit, bleibt der Sommer unberührt.
Für Sightseeing im Sommer: früh aufstehen. Die Bibliotheca Alexandrina, die Qaitbay-Zitadelle, die Katakomben — alles erträglich um 9 Uhr morgens. Um 14 Uhr willst du im klimatisierten Café sitzen oder im Wasser sein. Nicht auf der Straße.
Herbst (September bis November): Meine Empfehlung, ohne Wenn und Aber
September ist noch warm — tagsüber so um 28°C, das Meer bei 25°C. Schwimmen geht problemlos. Die Luftfeuchtigkeit fängt aber an zu sinken, und im Oktober spürst du deutlich frischere Luft. Tagsüber 24–26°C, nachts wird es ordentlich kühl. Im November brauchst du abends schon einen Pullover, und die Tage liegen bei 20–22°C.
Das Meer bleibt bis Oktober badetauglich (22–24°C) und schafft auch noch im November 20–21°C — wenn du leicht kühles Wasser magst. Ende November wird's grenzwertig.
Genau hier passiert die Verschiebung: Ausländische Touristen kommen nach der Sommerschlampause zurück, die einheimischen Massen verschwinden, weil die Schulen wieder angefangen haben. Hotelpreise starten im September moderat und fallen steil bis November. November ist normalerweise der günstigste Monat für Übernachtungen in Alexandria — nirgendwo im Jahr bekommst du durchschnittlich weniger für dein Zimmer gezahlt.
Das Alexandria Mediterranean Film Festival findet meistens im Oktober oder November statt. Keine riesige Touristenattraktion, aber wenn du gerade zufällig da bist, geben die Vorführungen und Veranstaltungen dem Aufenthalt noch eine Schicht mehr.
Wenn du eine einzige Empfehlung brauchst: Ende Oktober. Angenehm zum Laufen, Meer noch warm genug, Menschenmassen weg, Preise vernünftig. Du bekommst die historischen Stätten, die Corniche, das Essen und den Strand — ohne nennenswerten Kompromiss. Das goldene Licht über dem Mittelmeer Ende Oktober hat etwas, das sich schwer in Worte packen lässt.
Winter (Dezember bis Februar): Ruhig, mild, und nix mit Schwimmen
Alexandria im Winter ist eine andere Stadt. Tagsüber 15–18°C, nachts klettert das Thermometer auf etwa 10°C runter. Nach europäischen Maßstäben nicht kalt — aber kalt genug, dass an den Strand niemand denkt. Das Meer liegt bei 17–18°C, und da kannst du lange diskutieren, ob das noch Schwimmen ist. Für die meisten Besucher: nein.
Es regnet. Nicht pausenlos, aber häufiger als im Rest des Jahres. Dezember bis März bringt den Großteil der jährlichen Niederschläge — insgesamt so um die 200mm. Kommt in Schüben, nicht als ganztägiger Nieselregen. Ein Regentag in Alexandria bedeutet, dass die Freilicht-Stätten weniger reizvoll wirken — die Zitadelle bei Regen ist kein Vergnügen. Die Bibliotheca und die Museen funktionieren aber trotzdem.
Die Kehrseite: Es ist leise. Die historischen Orte hast du fast für dich, verglichen mit dem Sommerchaos. Die Corniche ist friedlich auf eine Art, die sie von Juni bis August niemals ist. Hotelpreise sind niedrig, allerdings mit einer kleinen Ausnahme rund um Weihnachten und Neujahr, wenn ausländische Touristen die Preise leicht anheben.
Was du einpacken solltest: Zwiebelprinzip. Leichte Jacke für den Abend, was Wärmeres für den frühen Morgen. Schuhe, die nassen Boden vertragen. Einen Schirm — nicht weil du ihn täglich brauchst, sondern weil Alexandria, wenn es regnet, es richtig macht.
Winter funktioniert, wenn du auf Museen und historische Stätten fokussiert bist, oder wenn du Alexandria mit Kairo und den südlichen Städten kombinierst. Für den Süden ist der Winter ohnehin die beste Reisezeit. Für den Strand: vergiss es. Und ja, bei 17°C laufen die Einheimischen in Wintermänteln herum, als kämen sie direkt aus Moskau. Das hat seinen eigenen Charme.
Schnellreferenz: Was jeder Monat wirklich bringt
Januar: Kühl und ruhig. Tagsüber 15–17°C. Meer zu kalt zum Baden. Gut für historische Stätten — du hast sie fast für dich. Jacke einpacken.
Februar: Ähnlich wie Januar, minimal milder. Immer noch kein Strandwetter. Die Stadt wirkt entspannt. Hotels günstig.
März: Es wird wärmer. Tagsüber 19–21°C. Das Meer ist mit 17°C noch eiskalt. Gutes Laufwetter. Gegen Ende des Monats beginnt die Sandsturm-Saison.
April: Angenehme Tagestemperaturen (22–25°C), aber Sandstürme sind möglich. Das Meer wird wärmer, ist aber noch kühl. Ostern kann die Preise treiben. Ein variabler Monat — check die Bedingungen.
Mai: Der erste verlässlich warme Monat. 26–28°C tagsüber. Das Meer erreicht 23–24°C — badetauglich. Der Übergangsmonat, in dem Alexandria sich wieder wie eine Küstenstadt anfühlt.
Juni: Sommeranfang. 27–29°C tagsüber, Luftfeuchtigkeit baut sich auf. Meer bei 25°C, gut zum Baden. Wochenende werden voll. Früh raus für Sightseeing.
Juli: Heiß und feucht (28–30°C). Meer bei 26–27°C, perfekt zum Schwimmen. Höhepunkt des Inlandstourismus. Hotels früh buchen. Wochentage gehen, Wochenenden sind Chaos.
August: Der heißeste Monat. So um 30°C, Meer bei 27°C. Ähnliches Menschenbild wie Juli. Wenn du wegen des Strandes kommst: Das Wasser wird nicht besser als hier.
September: Noch warm, aber die Luftfeuchtigkeit sinkt. 27–28°C tagsüber. Meer noch bei 25–26°C. Die Leute werden weniger, weil die Schulen wieder anfangen. Ein solider Monat.
Oktober: Angenehme 24–26°C tagsüber. Meer bei 22–24°C, noch badetauglich. Filmfestival vielleicht gerade. Hotels werden günstiger. Weniger Touristen als im Sommer.
November: Der günstigste Hotelmonat. 20–22°C tagsüber. Meer bei 20–21°C — grenzwertig zum Baden. Ruhig, angenehm, gut für Sightseeing. Meine Zweitauswahl nach Ende Oktober.
Dezember: Der Winter setzt ein. 16–18°C tagsüber. Meer zu kalt. Weihnachten und Neujahr bringen einen kleinen Preisschub. Gute Zeit für Museen und die Corniche an trockenen Tagen.
Wann solltest du also wirklich fahren?
- Du willst schwimmen und Strand: Juli oder August. Akzeptiere die Hitze und die Vollstopp-Strände — das ist der Preis für warmes Wasser. Wenn du wissen willst, wo die besten Strände in Alexandria sind, lies dir unseren Strandführer durch.
- Du willst einfach eine gute Reise, ohne Kompromisse: Ende Oktober. Angenehme Temperaturen, badetaugliches Meer, weniger Leute, vernünftige Preise. Meine ehrliche Empfehlung.
- Du willst Menschenmassen meiden und Geld sparen: November oder Februar. Schwimmen nicht, aber du siehst die Stadt, ohne dich durchzudrängeln.
- Du kombinierst Alexandria mit dem Süden (Luxor, Assuan): Winter. Der Süden ist im Winter die einzig erträgliche Jahreszeit, und Alexandria funktioniert für Sightseeing auch im Winter.
- Du machst einen Tagesausflug aus Kairo: Frühling (März–Mai) oder Herbst (Oktober–November). Angenehme Laufwetter-Bedingungen.
Wenn du die Anreise planst, schau dir unseren Guide zur Fahrt von Kairo nach Alexandria an. Noch keine Ahnung, wo du übernachten sollst? Wir haben das in unserem Artikel Wo man in Alexandria übernachtet zusammengefasst. Und wenn du wissen willst, was du eigentlich machen kannst, wenn du da bist: Sehenswürdigkeiten in Alexandria.