Die Höhlenkirche, Kairo: das Kloster des Heiligen Simon des Gerbers
1. Was ist die Höhlenkirche?
Die Höhlenkirche, offiziell das Kloster des Heiligen Simon des Gerbers, ist ein Komplex aus Kirchen, die in die Kalksteinklippen der Mokattam-Hügel im Südosten Kairos gehauen wurden. Sie ist nach Simon dem Gerber benannt, einem koptischen Heiligen aus dem 10. Jahrhundert, und liegt im Stadtteil Manshiyat Naser, den die meisten Besucher als Garbage City kennen. Der Komplex umfasst mehrere in den Fels gehauene Kirchen, darunter die Halle des Heiligen Simon des Gerbers und die Markuskirche, die 1974 in einer natürlichen Höhle entdeckt wurden.
Die Zabbalin, eine koptisch-christliche Gemeinschaft, die Kairos Müll sammelt, gruben und schmückten die Kirche eigenhändig und verwandelten einen aufgegebenen Steinbruch in eine der größten Gebetsstätten der Region. Der Hauptsaal fasst mehrere Tausend Menschen. Die Wände des gesamten Komplexes sind mit biblischen Szenen versehen, die direkt in den Fels gemeißelt statt gemalt oder als eigenständige Bauwerke errichtet wurden.
2. Die Geschichte von Simon dem Gerber und der Versetzung des Berges
Der Name des Klosters geht auf eine Überlieferung aus dem 10. Jahrhundert zurück, aus der Zeit des fatimidischen Kalifen Al-Muʿizz li-Dīn Illāh. Der koptischen Überlieferung zufolge forderte der Kalif die christliche Gemeinschaft Kairos heraus, eine Bibelstelle zu beweisen – den Vers, wonach der Glaube Berge versetzen kann –, andernfalls drohte Verfolgung. Der koptische Papst jener Zeit, Abraham der Syrer, erfuhr von einem einäugigen Gerber namens Simon, bekannt für seine stille Frömmigkeit, und der koptischen Überlieferung nach bewegte sich durch sein Gebet der Mokattam-Berg.
Ob man dies als wörtliche Geschichte oder als religiöse Überlieferung liest – deshalb trägt der Ort bis heute seinen Namen. Simon wird in manchen Quellen auch Simon der Schuhmacher oder Simon der Flickschuster genannt: Gerberei, Schuhmacherei und Schusterei waren eng verwandte Handwerke, und koptische Quellen verwenden diese Bezeichnungen weitgehend austauschbar.
3. Im Inneren des Klosters: Was Sie sehen werden
Der Klosterkomplex vereint mehrere einzelne Kirchen und Hallen, die in den Fels gehauen und durch Treppen und offene Passagen im Berghang miteinander verbunden sind. Die Halle des Heiligen Simon des Gerbers ist die größte, ein amphitheaterartiger Raum mit gestuften Steinbänken, die auf eine zentrale Kanzel ausgerichtet sind. Ihre Wände sind mit Reliefs biblischer Szenen bedeckt – dem Letzten Abendmahl, der Geburt Christi, Episoden aus dem Leben Jesu –, die direkt in den Kalkstein gemeißelt statt gemalt wurden.
Von der Haupthalle zweigen kleinere Kapellen ab, darunter die Markuskirche und die Pauluskirche, jede in einen eigenen Felsabschnitt gehauen und mit eigenen biblischen Reliefs versehen. Manche Teile des Komplexes sind zum Himmel hin offen, sodass das Licht zu verschiedenen Tageszeiten direkt auf die Felswände fällt. Besucher bewegen sich meist zu Fuß zwischen den Hallen, auf Steinwegen, die in die Felswand geschlagen wurden, mit Ausblick auf die umliegenden Mokattam-Hügel und den Rand von Manshiyat Naser weiter unten.
4. Manshiyat Naser ("Garbage City") und die Zabbalin verstehen
Der Weg zur Höhlenkirche führt durch Manshiyat Naser, einen Stadtteil an den unteren Hängen der Mokattam-Hügel, umgangssprachlich als Garbage City bekannt. Hier lebt die Zabbalin-Gemeinschaft, koptische Christen, die seit Jahrzehnten Kairos Haushaltsmüll sammeln und sortieren und dabei ein informelles Recyclingsystem betreiben, das auf familiengeführten Werkstätten beruht. Die Straßen sind eng, die Werkstätten liegen ebenerdig, oft mit bereits sortierten Materialien – Plastik, Papier, Metall – davor aufgestapelt.
Es handelt sich nicht um eine inszenierte Attraktion, sondern um ein lebendiges Wohn- und Arbeitsviertel. Besucher, die es durchqueren, sind in der Regel willkommen, doch gelten dieselben Umgangsformen wie überall: respektvollen Abstand zu Wohn- und Arbeitsstätten halten, vor dem Fotografieren von Personen um Erlaubnis fragen und den Durchgang nicht wie eine Sehenswürdigkeit behandeln. Manche Touren verbinden einen Halt bei einer Recyclingwerkstatt mit dem Kirchenbesuch, was zusätzlichen Einblick in den Lebensunterhalt der Zabbalin gibt, für den Besuch der Höhlenkirche selbst aber nicht nötig ist.
5. Anreise zur Höhlenkirche
Die Höhlenkirche liegt je nach Verkehr etwa 20 bis 25 Autominuten vom Zentrum Kairos entfernt, erreichbar über die Salah-Salem-Autobahn in Richtung Mokattam. Taxis und Fahrdienst-Apps bringen Besucher direkt zum Komplex, auch wenn ortsunkundige Fahrer manchmal etwas länger brauchen, um den richtigen Eingang zu finden – es hilft, den genauen Standort vorab zu teilen, statt sich darauf zu verlassen, dass der Fahrer den Ort dem Namen nach kennt.
Es gibt keine öffentliche Verkehrsverbindung, die direkt zur Kirche führt, weshalb Taxi, Fahrdienst oder eine organisierte Tour für die meisten Besucher die praktischste Option sind. Manche gehen das letzte Stück durch Manshiyat Naser zu Fuß, statt bis zum Eingang zu fahren, was einen näheren Einblick ins Viertel bietet, aber mehr Zeit kostet und für den Kirchenbesuch nicht nötig ist. Ein privater Guide ist für den Zutritt zum Kloster selbst nicht erforderlich, kann aber hilfreich sein, um die umliegenden Straßen zu erkunden oder eine Recyclingwerkstatt zu besuchen.
6. Praktische Tipps: Kosten, Kleiderordnung und beste Besuchszeit
Der Eintritt zur Höhlenkirche ist kostenlos, es gibt weder Kasse noch Eintrittsgebühr am Komplex. Wie bei jeder aktiven Kirche in Ägypten wird angemessene Kleidung erwartet: Schultern und Knie bedeckt für alle Besucher, und Frauen sollten möglicherweise ein Tuch mitbringen, falls in manchen Bereichen eine Kopfbedeckung verlangt wird – dies ist jedoch je nach Abschnitt des Komplexes unterschiedlich.
Der frühe Morgen eignet sich am besten für den Besuch, vor der Mittagshitze und vor der Ankunft der Reisegruppen. Das Gelände liegt größtenteils im Freien und ist unbedeckt, weshalb es in den Mittagsstunden wenig Schatten gibt. Manche Wege weisen unebene Steinstufen und offene Kanten auf, weshalb flaches, geschlossenes Schuhwerk praktischer ist als Sandalen. Sonntagvormittags findet oft ein Gottesdienst statt, den Besucher leise vom hinteren Teil der Halle aus beobachten können, wobei der Ort zu dieser Zeit auch am stärksten besucht ist.
7. Ist der Besuch sicher?
Die Höhlenkirche selbst ist ein sicherer, einladender Ort – ein aktives Gotteshaus, das die ganze Woche über Besucher, auch ausländische Touristen, empfängt. Die wichtigste Vorsicht gilt nicht der Kirche, sondern dem Weg durch Manshiyat Naser: Die Straßen sind eng, mitunter voller Karren und Verkehr, und der Boden kann uneben sein, weshalb auf den eigenen Tritt zu achten wichtiger ist als jede Sicherheitsbedenken.
Es lohnt sich, vor dem Besuch die aktuellen offiziellen Reisehinweise für das weitere Gebiet von Manshiyat Naser zu prüfen. Ansonsten gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen eines dicht besiedelten Stadtviertels: Wertsachen sicher aufbewahren, auf die Umgebung achten und ein Taxi oder eine organisierte Tour in Betracht ziehen, wer sich nicht allein zurechtfinden möchte. Ein ortskundiger Fahrer oder Guide nimmt vor allem beim ersten Besuch die meisten Hürden.